216 Seiten mit 150 Abbildungen in Farbe und Schwarzweiß
Schriftenreihe Museum Kurhaus Kleve – Ewald Mataré-Sammlung, Band 11
Erscheinungsjahr 2000
ISBN 3-934935-00-I
Hrsg.: Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve e.V. anlässlich der Ausstellung „Joseph Beuys: 'Straßenbahnhaltestelle' – Ein Monument für die Zukunft“, Museum Kurhaus Kleve, 26. März - 18. Juni 2000
Beiträge von Josef Joeken, Ulrike Sack, Guido de Werd, Simone Scholten, Klaus Gallwitz, Wouter Weijers und Andreas Schalhorn
Die Installation „Straßenbahnhaltestelle – Ein Monument für die Zukunft“ gehört zu den bedeutendsten Werken, die Joseph Beuys geschaffen hat. Realisiert im Deutschen Pavillon der Biennale von Venedig 1976, verleiht sie Gedanken und Erfahrungen Gestalt, die den Künstler seit seiner Kindheit im niederrheinischen Kleve bewegt haben.
Als Schuljunge wartete Beuys regelmäßig an einem rätselhaften Monument am Stadtrand von Kleve auf die Straßenbahn, die ihn zu Verwandten im Nachbarort Hau bringen sollte. Die historische Bedeutung dieses archaisch wirkenden Denkmals, das aus alten Kanonenteilen bestand und von Johann Moritz von Nassau-Siegen, dem Stadthalter Kleves in der Mitte des 17. Jahrhunderts, als Friedenszeichen aufgerichtet wurde, war in Beuys’ Jugendzeit kaum bekannt.
Aber dessen Phantasie entzündete sich ohnehin auf einer ganz elementaren Ebene. Ihn faszinierte, wie wenige einfache Elemente einen Ort mit magischer Bedeutung aufladen konnten und wie das rohe Material Eisen, aus dem sowohl das Denkmal als auch die Straßenbahnschienen gefertigt worden waren, Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpfte und zugleich den Weg in die Zukunft wies. Nicht umsonst betonte Beuys später, er wäre ohne dieses frühe Erlebnis in seiner Heimatstadt niemals Plastiker geworden.
Das vorliegende Buch verfolgt die Vorgeschichte und die Entstehung der Installation „Straßenbahnhaltestelle“ und zeigt, auf welch komplexe Weise sich Joseph Beuys mit dem Genius loci der traditionsreichen Herzogstadt Kleve auseinandersetzte. Dabei wird sein Hauptwerk für die Biennale von Venedig in seinen historischen und künstlerischen Kontext eingebettet.
Zahlreiche bisher unbekannte Zusammenhänge werden erkennbar, und eine Reihe von Dokumenten wird zum ersten Mal zugänglich gemacht. Zugleich beleuchten die Beiträge die Themen „Zeit“ und „Zeitwende“ in Beuys’ Werk und beschäftigen sich mit der Frage seiner Rezeption.