Museum Kurhaus / Kleve

Ewald Mataré Sammlung


Neue Edition des Freundeskreises: Gottfried Evers, Joseph Beuys in Kleve, Donsbrüggen und Rindern

Gottfried Evers (Emmerich 1954):
1. Beuys im Klever Rathaus, 7. Oktober 1976
2. und 3. Joseph Beuys in der Klever Innenstadt, 7. Oktober 1976
4. Joseph Beuys am Kolk in Rindern, 26. Januar 1978
5. Joseph Beuys vor Schloss Gnadenthal, 26. Januar 1978

Fünf Gelatin Silver Prints
4 Abzüge 289 x 188 mm (Blattmaß 305 x 240 mm),
1 Abzug 188 x 289 mm (Blattmaß 240 x 305 mm)
Auflage: 20 Exemplare, davon:
- 10 Kassetten mit je fünf Photographien
- 10 einzelne Photographien

Kassette mit 5 Photographien:
750,- € / 650,- € für Mitglieder des Freundeskreises
Einzelne Photographien:
200,- € / 175,- € für Mitglieder des Freundeskreises

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Zur Edition von Gottfried Evers:
„Gottfried Evers begegnet Joseph Beuys, 1976-1978“

Guido de Werd

Anfang 1976 wurde Joseph Beuys von Klaus Gallwitz, dem Kommissar des deutschen Pavillons, eingeladen, an der Biennale von Venedig teilzunehmen. Beuys schuf für den deutschen Pavillon die heute berühmte „Straßenbahnhaltestelle“, die auf vielfältige Art seine klevischen Wurzeln aufgreift. Im Rahmen der Vorbereitungen für die Abgussarbeiten am Eisernen Mann an der Nassauer Allee in Kleve besuchte er mehrmals seine Heimatstadt. Kleves damaliger Stadtdirektor Dr. Hans Hermann Schröer lud den bereits weltberühmten, aber noch sehr umstrittenen Künstler unmittelbar ins Rathaus ein und diskutierte mehrere Stunden mit Beuys.

Im Herbst desselben Jahres, nachdem der Künstler für seine „Straßenbahnhaltestelle“ sogar den Großen Preis der Biennale von Venedig erhalten hatte, kam Beuys am 7. Oktober 1976 erneut nach Kleve, um zusammen mit dem Stadtdirektor, dessen Referenten Ulrich Fries und den Journalisten Alois Puyn (Rheinische Post) und Rolf Langenhuisen (NRZ) die damals noch im Bau befindliche Fußgängerzone in der Kavarinerstraße und die gerade fertig gestellte Große Straße kennenzulernen. Vor der Begehung trafen beide sich im Rathaus. Hier photographierte Gottfried Evers den Hut des Künstlers an der Garderobe des Vorzimmers, ein schönes zeichenhaftes Bild von An- und Abwesenheit (Edition Nr. 1). Anschließend erfolgte der Gang durch die neue Fußgängerzone. Gottfried Evers begleitete die Gruppe, so entstanden die Porträtbilder eines argumentierenden und diskutierenden Beuys in der Klever Innenstadt (Edition Nr. 2-3). Der Wunsch des Stadtdirektors, Beuys möge eine Plastik für die Stadt Kleve schaffen, erfüllte sich nicht. Ganz im Gegenteil, Beuys äußerste sich sehr despektierlich über den Wiederaufbau seiner Heimatstadt: „’Jeder hat sich seinen Metzgerladen hingeknallt, nicht mal die Schwanenburg ist gut restauriert. An sich müsste Kleve wiederabgerissen werden!’ Deshalb hat er auch keine Lust, etwas Kunst für den neuen Klever Fußgängerbezirk beizusteuern …“ (siehe Anmerkung 1)
Im Januar 1978 kam Beuys erneut nach Kleve. Schon 1976 hatte er gesagt: „Ich komme immer wieder, wenn es auch manchmal lange dauert …“ (siehe Anmerkung 2)  Den Anlass bildete nun zum einen die Einladung von Walther Brüx, das Hindenburg-Gymnasium (das jetzige Freiherr vom Stein-Gymnasium) zu besuchen und im Kunst-unterricht mit seinen Schülern zu diskutieren, zum anderen das Versprechen, dem Zeit-Redakteur Peter Sager seine Heimatstadt zu zeigen. Im Anschluss besuchte er Schloss Gnadenthal und sein Jugenddorf Rindern. Und wieder war Gottfried Evers dabei. Beuys in Rindern: Er posiert vor einem Kolk, im Hintergrund die Hügel, die Landschaft zeigt sich Grau in Grau. Fast mythisch überstrahlt die sich im Kolk spiegelnde Wintersonne den Mantel von Beuys, den Künstler geradezu verklärend (Edition Nr. 4). Dann geht es weiter: „Letzte Station unserer Reise: Schloss Gnadenthal bei Kleve. Hier wurde jener Baron von Cloots geboren, der als Anhänger der Französischen Reformation in Paris große Volksverbrüderungsfeste inszenierte, in der Nationalversammlung ‚als Redner des Menschengeschlechts’ die Weltrevolution ausrief und 1794 von Robespierre geköpft wurde. ‚Ich kannte ihn schon als Kind’ sagt Beuys, ‚Anacharsis Cloots, wie er sich nannte, war der erste, der eine wirkliche Theorie der Demokratie entwickelte.’ Beuys zieht einen langen blauen Mantel an, wie ihn Schweizer Sanitäter tragen und wie er ihn schon 1972 bei der Besetzung der Düsseldorfer Akademie trug, den ‚Theatermantel aus meiner Kampfzeit’. Verwundert sieht Baron von Hövell, jetziger Schlossherr und Nachfahre des Anarchisten Cloots, das seltsame Gebaren. ‚Ich bin Clootsianer’, stellt Beuys sich vor, ‚Sie führen die Blutslinie fort, ich die Ideenlinie.’ – ‚Aber hier’, sagt der Baron und zeigt auf die Schlossparkidylle, ‚muss einer doch keine revolutionären Ideen entwickeln!’ – ‚Doch, gerade hier’ sagt Beuys und beginnt seine Aktion. Ein Buch mit Texten von Cloots in der Hand, geht Beuys um das Haus des toten Anarchisten. Dort sind heute amerikanische Techniker des Plutonium-Reaktors Kalkar einquartiert. Imitatio Cloots, Schattenbeschwörung, Demonstration einer Idee. Beuys geht um das Haus des Anacharsis Cloots.“ (siehe Anmerkung 3) Gottfried Evers zeigt uns Beuys, wie er den Park des Schlosses verlässt, nachdenklich an diesem für Beuys so wichtigen Ort, an dem die Vergangenheit zur Utopie wird (Edition Nr. 5).

Gottfried Evers war, als diese eindringlichen Bilder entstanden, gerade zwanzig Jahre alt. Er fing damals seine Laufbahn bei der Rheinischen Post an. Man spürt, dass dem jungen Photographen die Bedeutung der Begegnung mit einem großen und damals in seiner Heimat noch umstrittenen Künstler bewusst war. Evers näherte sich Beuys mit Respekt, aber auch mit großer Neugierde und einem Gespür für den historischen Augenblick.

Seit mehr als drei Jahrzehnten begleitet Gottfried Evers das Geschehen am Niederrhein mit seinen Bildern und prägt unseren Blick auf die Ereignisse und Landschaften. Von Anfang an galt sein Augenmerk insbesondere der Kunst und den Künstlern. Mit seinem scharfen Blick hat er uns in seinen Porträts zahlreiche Künstler auf eindrucksvolle Weise näher gebracht. Ganz am Anfang stand Beuys. Dass Evers diese Bilder nun als seinen Beitrag für die Wiederherstellung des Ateliers von Joseph Beuys zur Verfügung stellt ist eine großzügige Geste, die den Mitgliedern des Freundeskreises und anderen Interessenten die Gelegenheit gibt, an diesen beiden Besuchen teilzunehmen.

(Anmerkung 1: Alle Zitate aus: Peter Sager, Unterwegs zu Künstlern und Bildern. Reportagen und Porträts, Köln 1978, S. 10-21: Fettfabrik und frühe Anarchie: Beuys in Kleve (1978),
Anmerkung 2: Rheinische Post, Ausgabe Kleve, Nr. 82, Dienstag 6. April 1976
Anmerkung 3: Sager, Unterwegs zu Künstlern und Bildern, Köln 1978, S. 21)

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Aus einer Serie von fünf Photographien: Joseph Beuys am Kolk in Rindern, 26.01.1978 (Edition Nr. 4)
Gottfried Evers, Joseph Beuys in der Klever Innenstadt, 07.10.1976 (Edition Nr. 2)
Gottfried Evers, Joseph Beuys in der Klever Innenstadt, 07.10.1976 (Edition Nr. 3)
Gottfried Evers, Beuys im Klever Rathaus, 07.10.1976 (Edition Nr. 1)
Gottfried Evers, Joseph Beuys vor Schloss Gnadenthal, 26.01.1978 (Edition Nr. 5)
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