Museum Kurhaus / Kleve

Ewald Mataré Sammlung


Ausstellung „Matthias Hoch: Silver Tower“, 29.09.-24.11.2013

Matthias Hoch (geb. 1958 in Radebeul) hat sich mit formpräzisen photographischen Realitätserkundungen einen Namen gemacht. Seine Photographien unterziehen die Oberflächen von Architekturen und urbanen Ordnungen einer kritischen Analyse. Das Museum Kurhaus Kleve zeigt seinen neuesten Zyklus „Silver Tower“ (2009-11), in dem er den inneren und äußeren Funktionswandel eines der bekanntesten Hochhäuser in Frankfurt am Main nachzeichnet. So dokumentiert er das Verschwinden einer ganzen Ära der Wirtschaftsgeschichte, für die die ehemalige Konzernzentrale der Dresdner Bank symbolisch steht.

Mit 166 Metern Höhe einst das höchste Gebäude Deutschlands, verkörperte der Silver Tower die Idee des Fortschritts und des Wirtschaftswachstums der 1970er Jahre. Zudem beanspruchte das Gebäude einen gewissen ästhetischen Führungsanspruch: Aufgrund seiner silbern schimmernden Aluminiumfassade und der abgerundeten Ecken galt das Gebäude lange Zeit als Inbegriff einer architektonisch und ökonomisch prosperierenden Moderne. Mit dem Niedergang der Dresdner Bank, der in die Übernahme durch die Commerzbank mündete, ging auch für den Silver Tower ein 30 Jahre währender Zeitabschnitt zu Ende. Der Beginn der Sanierungsarbeiten 2009 läutete den umfassenden Funktions- und Gestaltwandel eines Gebäudes ein, das über die Jahre hinweg ein Ort der Projektio- nen von Macht, Geld und Einfluss war.

Als minutiöser Beobachter hält Matthias Hoch die Ablagerungen und Abdrücke fest, die sich im Lauf der Jahre im Gebäude festgeschrieben haben. Zwei Jahre lang hat er sich der Schaffung einer visuellen Biographie des Ortes gewidmet und dabei eine Archäologie der Gegenwart erstellt: Weitgehend entleert und von allen ursprünglichen Zwecken befreit, gewinnen die von den rund 2.200 Beschäftigten zurückgelassenen Büroräume eine neue Würde. Hoch hat den Silver Tower aus der Perspektive der ehemaligen Nutzer porträtiert, die jahrelang in handgenähten Schuhen und klackernden Pumps durch das Gebäude schritten und das Haus mittlerweile für immer verlassen haben. Für alle Veränderungsprozesse hat Matthias Hoch einen wachen Blick, ohne dabei seine Neutralität preiszugeben: An den finalen Zielsetzungen der neuen Eigentümer ist er nicht interessiert. Vielmehr gilt seine Aufmerksamkeit dem Vorläufigen von Zuständen und Verhältnissen, der möglichst exakten Fixierung eines kurzen historischen Moments.

Matthias Hoch erkundet in typologischen Reihen architektonische und städteplanerische Konzepte und hebt dabei ab auf die Ambivalenz zwischen Vision und Wirklichkeit, Entwurf und Nutzung. Seine erste Serie, „Bahnhöfe“ von 1988, dokumentierte zumeist sächsischer Bahnhöfe, die ein Jahr vor dem Mauerfall aus heutiger Sicht die Tristesse eines untergehenden Systems verkörpern. Es folgten die Reihen „Reichstag“ (1993), „Klinikum“ (1995/96), „Speicher“ (1997) „Paris“ (1998/99), „Brüssel“ (2001/2), „Rom“ (2003-6), „Almere“ (2006-8) und „ICC Berlin“ (2009).

Zur Ausstellung erscheinen ein Katalog (-> hier online erwerben) und eine Edition (-> hier).

Die Ausstellung wird gefördert durch:

Freundeskreis Museum Kurhaus
und Koekkoek-Haus Kleve e.V. 
www.freunde-klever-museen.de

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Einladungskarte Matthias Hoch_01 (PDF)
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