Museum Kurhaus / Kleve

Ewald Mataré Sammlung




Katalog

Llyn Foulkes
Booklet


3,– €

--> In den Warenkorb

32 Seiten im Format DIN A5 (210 x 148 mm)
Erscheinungsjahr 2013
ISBN 978-3-934935-67-9

Hrsg. v. Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve e.V. aus Anlass der Ausstellung im Museum Kurhaus Kleve, 08.12.2013-02.03.2014
Vorwort von Harald Kunde und einführender Text von Ali Subotnick

Der amerikanische Künstler Llyn Foulkes arbeitet seit über fünf Jahrzehnten an einem faszinierenden Werk, in dem sich ein rebellischer Gestus mit einem prägnanten Sinn für Form und Material verbinden. Verwoben in den kulturellen Kontext der Westküste und ihm als programmatischer Einzelgänger doch nie ganz zugehörig, hat Foulkes in seiner Doppelprägung als bildender Künstler und experimenteller Musiker eine singuläre Wirkung entfaltet, die in jüngster Zeit auch international mit großem Erfolg wahrgenommen wird. So gilt er heute als folgenreicher Impulsgeber, der in seinem Oeuvre die Bildvorstellungen der Pop Art mit zivilisationskritischen Einschüben attackiert und solcherart die Deformationen einer an Kommerz und Konsum orientierten Gegenwart beklemmend vor Augen führt. Dabei gilt sein Hauptinteresse dem latenten Grauen des Alltags, den stereotypen Rollenzuweisungen von Siegern und Verlierern und nicht zuletzt der flächendeckenden Verwüstung natürlicher Lebensräume. Zugleich aber begreift sich Llyn Foulkes als Bestandteil dieser Prozesse, weshalb er darüber nicht misanthropisch distanziert, sondern allenfalls mit lakonischer Empathie berichtet. Seine Lust am Material, an Spiel, Experiment und schichtweiser Akkumulation sorgt zudem dafür, dass seine Arbeiten einen eigenständigen Kosmos ausbilden, dessen Intensität sich der Betrachter kaum entziehen kann.

Das Museum Kurhaus Kleve schätzt sich glücklich, diesem lange als Geheimtipp gehandelten Künstler eine großangelegte Werkschau widmen zu können, die vom Hammer Museum Los Angeles und der dortigen Kuratorin Ali Subotnick konzipiert worden ist und nach einer Folgestation am New Museum New York nun am Niederrhein als der einzigen europäischen Station angelandet ist. Mit nahezu 100 Arbeiten von den späten 1950er Jahren bis hin zu jüngst entstandenen Werken eröffnen sich profunde Einblicke in eine Denk-und Arbeitsweise, die kompromisslos die Schwingungen der Welt registriert und sie in den mannigfaltigen Körpern der Zeichnung, der Materialcollage, der dreidimensionalen Schichtung und bühnenbildartigen Inszenierung immer wieder zum Klingen und zum Leuchten bringt. Dabei überwiegen in den frühen Serien wie etwa „Pasadena“, „Rocks“ und „Postcards“ noch düstere Töne, die in ihrem Wechsel von Schwarz, Braun und fahlem Weiß wie eine Absage an jegliche prosperierende Wirtschaftswunderwelt wirken und stattdessen eine weit entfernte existentialistische Härte evozieren. Erst mit den „Bloody Heads“, jenen schockierend malträtierten Porträts zwischen Aggression und Komik, erobert sich Llyn Foulkes einen künstlerischen Freiraum, in dem Ironie und Ambivalenz vorherrschen und mithin die Sphäre einer deutlich empfundenen Gegenwärtigkeit einsetzt. Hieran schließen sich die sogenannten „Narrativen Tableaux“ folgerichtig an, die erzählerischen Reichtum und bildmächtige Suggestion unauflösbar miteinander verbinden und sowohl die massenmediale Bewusstseinsprägung durch Hollywood und Disney als auch die Vergeblichkeit kunsthistorischer Heroen lustvoll zelebrieren. Einen Höhepunkt jeder Llyn Foulkes-Präsentation bilden schließlich die raumbezogenen Inszenierungen in ihrem Kontrast zwischen umfangender Dunkelheit und bühnenbildartig ausgeleuchtetem Geschehen. So werden auch im Museum Kurhaus Kleve die Arbeiten „Pop“, „The Awakening“ und „The Lost Frontier“ einen nachhaltigen und unvergesslichen Eindruck hinterlassen, der sich aus der Akribie der formalen Umsetzung ebenso speist wie aus der Intensität und Trauer des vermittelten Lebensgefühls. Im Zusammenwirken mit einer Videoprojektion, die Llyn Foulkes in Aktion mit seiner über Jahre konstruierten Musikmaschine zeigt, wird schlagartig und summarisch noch einmal die gesamte Energie und Hingabe deutlich, mit der dieses grandiose Werk vorangetrieben wurde und mit der es nun als Solitär innerhalb der Gegenwartskunst wahrgenommen wird.

zurück


-> Diese Seite drucken